PIM in Österreich: Systeme, Integratoren und Besonderheiten 2026

PIM in Österreich: Systeme, Integratoren und Besonderheiten 2026

Österreichische Hersteller und Händler verkaufen meist im ganzen DACH-Raum und setzen dieselben EU-Regeln um wie Unternehmen in Deutschland. Einige Punkte sind trotzdem österreichisch: der Stammdatenaustausch mit dem Handel über GS1 Sync, die Verpackungslizenzierung, das Barrierefreiheitsgesetz und österreichische Begriffe im Lebensmittelbereich. Dieser Beitrag zeigt, was das für ein PIM-System bedeutet, welche Anbieter und Integratoren es in Österreich gibt und wie Sie die Auswahl angehen.

Kurz zusammengefasst

  • Laut PIM-Consultants-Verzeichnis arbeiten 6 der 143 Integratoren in Österreich. 4 davon führen Pimcore ein, daneben sind Akeneo, Viamedici und Profisee vertreten (Stand November 2026).
  • Aus Österreich kommen unter anderem die PIM-Anbieter Pimcore (Salzburg), Paradine und Productbay (beide Wien) sowie die DAM-Anbieter CELUM und Agravity (beide Linz).
  • Im Lebensmittel- und Drogeriehandel laufen Artikelstammdaten häufig über GS1 Sync, den Stammdatenpool von GS1 Austria. REWE erwartet die Daten über GS1 Sync, das RIAG-Artikelstammdatenportal oder GDSN.
  • Seit 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) für Onlineshops, die an Verbraucher verkaufen. Produktbilder brauchen dann sinnvolle Alternativtexte.
  • Seit 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Die Pflicht zur Teilnahme an einem Sammel- und Verwertungssystem bleibt in Österreich vorerst unverändert.

Was in Österreich anders ist

Stammdaten für den Handel: GS1 Sync

GS1 Austria betreibt mit GS1 Sync einen eigenen Stammdatenpool für den österreichischen Markt, der Teil des weltweiten GDSN-Netzes ist. Lieferanten pflegen ihre Artikeldaten einmal, Händler übernehmen sie, auch für ihre Onlineshops. Dazu gehören Pflichtangaben wie Zutaten und Allergene, Gefahrenhinweise, Gütesiegel, Marketingtexte und Produktbilder. INTERSPAR.at ist laut GS1 Austria einer von über 45 Datenabholern. REWE erwartet Stammdaten über GS1 Sync, das RIAG-Artikelstammdatenportal oder GDSN und übernimmt nur Daten, die die eigene Qualitätsprüfung bestanden haben.

Für das PIM heißt das: Es sollte die Attribute des GS1-Datenmodells abbilden und die Daten direkt oder über einen Konnektor an GS1 Sync oder einen anderen GDSN-Datenpool liefern. Fragen Sie Anbieter nach einer erprobten Anbindung und nach Referenzkunden, die darüber an den österreichischen Handel liefern.

Sprache: Deutsch mit österreichischen Begriffen

Viele Unternehmen verwenden für Österreich dieselben Texte wie für Deutschland. Im Lebensmittelbereich lohnt eine eigene Sprachvariante „Deutsch (Österreich)“: Das Protokoll Nr. 10 zum EU-Beitrittsvertrag stellt 23 österreichische Lebensmittelbegriffe wie Erdäpfel, Paradeiser, Topfen oder Marillen den in Deutschland üblichen Begriffen gleich. Anders als in der Schweiz gilt in Österreich das ß. Im PIM sollten gemeinsame Texte einmal gepflegt und nur abweichende Begriffe je Sprachvariante überschrieben werden. Mehr dazu im Beitrag Mehrsprachige Produktdaten.

Verpackung: PPWR und Lizenzierung

Seit 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung unmittelbar. Laut Merkblatt des zuständigen Bundesministeriums bleiben das Abfallwirtschaftsgesetz 2002 und die Verpackungsverordnung 2014 anwendbar, soweit sie mit der PPWR vereinbar sind. Die Pflicht zur Teilnahme an einem Sammel- und Verwertungssystem ändert sich vorerst nicht; seit 1. Oktober 2026 gilt sie auch für Kaffeekapseln und Teebeutel. Wer Verpackungen herstellt, braucht eine EU-Konformitätserklärung mit technischer Dokumentation.

Für das PIM bedeutet das: Verpackungen sollten als eigene Objekte mit Komponenten, Materialien und Gewichten gepflegt werden, damit Lizenzierung, Nachweise und Kennzeichnung aus denselben Daten entstehen. Wie ein solches Datenmodell aussieht, zeigt der Beitrag PPWR im PIM.

Barrierefreiheit im Onlineshop

Seit 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG). Es erfasst Onlineshops, die an Verbraucher verkaufen; reine B2B-Angebote fallen grundsätzlich nicht darunter. Die Ausnahme für Kleinstunternehmen (weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Mio. € Umsatz oder Bilanzsumme) gilt nur für Dienstleistungen, nicht für Hersteller von Produkten. Technischer Maßstab ist die Norm EN 301 549, die auf WCAG 2.1 Stufe AA verweist.

Für das PIM heißt das: Alternativtexte für Produktbilder als eigene, übersetzbare Felder pflegen und wichtige Produktinformationen als Text liefern, nicht nur im Bild.

ERP-Anbindung

Neben SAP und Microsoft Dynamics setzen österreichische Unternehmen auch heimische ERP-Lösungen wie BMD oder mesonic WinLine ein. Prüfen Sie früh, ob es für Ihr ERP einen fertigen Konnektor gibt oder ob eine eigene Schnittstelle nötig ist; das beeinflusst Aufwand und Partnerwahl stärker als die meisten Funktionen.

Anbieter und Integratoren in Österreich

Laut PIM-Consultants-Verzeichnis arbeiten diese Integratoren in Österreich (Stand November 2026):

IntegratorPIM- und MDM-Systeme
ACL (Graz)Pimcore
AntiloopPimcore
pmOneProfisee
proaxiaViamedici
SiwaPimcore
TOWAAkeneo, Pimcore

Aus Österreich kommen unter anderem diese Anbieter:

  • PIM: Pimcore aus Salzburg (Plattform für PIM, MDM und DAM), Paradine eptos aus Wien (Produktstammdaten) und Productbay aus Wien (KI-gestütztes PIM und DAM für Händler).
  • DAM: CELUM und Agravity aus Linz, M@RS von mediamid und STOCKITO aus Wien.

Die Einträge sind keine Empfehlung; PIM-Consultants hat keine Partnerschaften mit Herstellern oder Integratoren. Kommen Integratoren aus Deutschland in Frage, fragen Sie nach Referenzen in Österreich und nach Terminen vor Ort. Alle Integratoren finden Sie im Integratoren-Verzeichnis, alle Systeme in der Übersicht der PIM-Anbieter.

Welche PIM-Systeme zu österreichischen Unternehmen passen

Ein eigenes „österreichisches“ PIM gibt es nicht. Welches System passt, entscheiden Sortiment, Kanäle, Systemlandschaft und Unternehmensgröße. Für Österreich sollten Sie zusätzlich prüfen:

  • Anbindung an GS1 Sync oder einen anderen GDSN-Datenpool, wenn Sie an den Lebensmittel- oder Drogeriehandel liefern,
  • Sprachvarianten mit Vererbung, etwa Deutsch (Österreich), Deutsch (Deutschland) und Deutsch (Schweiz),
  • Verpackungsdaten als eigenes Datenmodell für PPWR und Lizenzierung,
  • Felder für Alternativtexte und barrierefreie Produktinformationen,
  • einen Konnektor zu Ihrem ERP und einen erfahrenen Integrator mit Referenzen in Österreich.

Einen neutralen Überblick über 18 verbreitete Systeme mit Sitz, Betrieb, Preisangabe und Zielkunden gibt der Beitrag PIM-Systeme im Vergleich 2026. Für kleine Budgets hilft PIM für kleine Unternehmen, für mehrere Gesellschaften und ERP-Systeme PIM im Konzern.

Was eine PIM-Einführung kostet

Die Größenordnungen entsprechen denen in Deutschland: Die Software liegt je nach Klasse bei rund 100.000 € (Einsteiger) bis 500.000 € (Enterprise), die Einführung im Mittelstand typischerweise bei 150.000 bis 250.000 €. SaaS-Tarife für kleine Sortimente beginnen unter 500 € im Monat. Details im Beitrag PIM-Implementierung und Kosten.

PIM-Beratung mit Standort in Wien

PIM-Consultants ist ein Service der Digitize! GmbH mit Sitz in Pfäffikon SZ und einem Standort in Wien (Görgengasse 26/3/4, 1190 Wien). Unser Schwerpunkt ist die herstellerneutrale PIM-Auswahl und die PIM-Beratung, etwa die Frage, ob ein bestehendes PIM richtig aufgesetzt ist und noch zu Ihren Anforderungen passt. Die PIM-Auswahl läuft in sechs Schritten und dauert in der Regel zwei bis drei Monate.

Häufige Fragen

Welche PIM-Systeme eignen sich für österreichische Hersteller und Händler?

Entscheidend sind Sortiment, Kanäle und Systemlandschaft, nicht das Land. Für Österreich kommen eine Anbindung an GS1 Sync oder GDSN, eine Sprachvariante Deutsch (Österreich), Verpackungsdaten und barrierefreie Produktinformationen hinzu. Im PIM-Consultants-Verzeichnis arbeiten 6 Integratoren in Österreich, 4 davon führen Pimcore ein.

Welche PIM-Anbieter kommen aus Österreich?

Unter anderem Pimcore aus Salzburg sowie Paradine und Productbay aus Wien. Im Digital Asset Management kommen CELUM und Agravity aus Linz sowie mediamid (M@RS) und STOCKITO aus Wien.

Brauche ich für GS1 Sync ein PIM-System?

Nicht zwingend. Kleine Sortimente lassen sich auch über Portale pflegen. Bei vielen Artikeln, Varianten und Kanälen spart ein PIM mit Anbindung an GS1 Sync oder einen GDSN-Datenpool doppelte Pflege und Fehler.

Gilt das Barrierefreiheitsgesetz auch für B2B-Onlineshops?

Grundsätzlich nicht: Das BaFG erfasst Angebote an Verbraucher. Wer an Verbraucher verkauft, muss seinen Onlineshop seit 28. Juni 2025 barrierefrei gestalten; die Ausnahme für Kleinstunternehmen gilt nur für Dienstleistungen.

Gibt es unabhängige PIM-Berater in Österreich?

Ja. PIM-Consultants berät herstellerneutral bei der PIM-Auswahl und in der PIM-Beratung, hat einen Standort in Wien und keine Partnerschaften mit Herstellern oder Integratoren.

Quellen

Stand: November 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

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