Kurz gesagt: Informatica gehört seit November 2025 zu Salesforce. Für Kunden von Product 360, dem früheren p360, stellt sich damit die Frage, welche Rolle das PIM künftig spielt und ob es unabhängig von Salesforce betrieben werden kann. In derselben Liga spielen Stibo Systems, Syndigo und Precisely EnterWorks. Wer nur MDM braucht, schaut sich Reltio, Semarchy oder SAP Master Data Governance an. Mit Anbieter aus Deutschland kommen Viamedici EPIM oder novomind iPIM in Frage, für viele Handelskanäle Salsify oder inriver.
Warum Unternehmen eine Alternative zu Informatica suchen
Informatica Product 360 ist ein sehr umfangreiches System mit langer Geschichte im deutschsprachigen Raum. Diese Punkte führen derzeit zur Suche nach Alternativen:
- Neuer Eigentümer: Salesforce hat die Übernahme im Mai 2025 angekündigt und am 18. November 2025 für rund 8 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Ziel ist, mit Informatica die Datenbasis für die KI-Agenten der Salesforce-Plattform zu stärken. Welche Rolle Product 360 dabei spielt, ist offen.
- Unabhängigkeit: Unternehmen ohne Salesforce-Landschaft fragen sich, ob das PIM weiter unabhängig von Salesforce betrieben werden kann und wie sich Lizenzbedingungen entwickeln.
- Einarbeitung: Funktionsumfang und unterschiedliche Oberflächen erfordern Einarbeitung und Schulung.
- Syndication: Für die Ausspielung an Marktplätze und Händler gibt es weniger fertige Konnektoren als bei spezialisierten Anbietern.
Wann Informatica trotzdem die richtige Wahl ist
Product 360 bringt fertige Anbindungen an Datenpools, branchenspezifische Klassifikationen und Vorlagen mit, die Einführung und gesetzliche Anforderungen erleichtern. Stark ist die Datenbeschaffung mit vielen ERP-Anbindungen und KI-gestütztem Onboarding, was Händlern mit vielen Marken und B2B-Distributoren entgegenkommt. Daneben gibt es Master Data Management für Kunden, Lieferanten und Standorte sowie Werkzeuge für Datenqualität und Datenintegration. Mit dem KI-Assistenten CLAIRE, einem MCP-Server und der Verbindung zu Agentforce baut Salesforce das System Richtung Agentic Commerce aus. Wer ohnehin auf Salesforce setzt, kann davon profitieren. Kunden sind etwa Unilever, Vitakraft, Hubo und Twitch. Details im Informatica-Profil.
Informatica-Alternativen auf einen Blick
| Alternative | Typ und Lizenz | Herkunft | Passt besonders für |
| Stibo Systems | SaaS, Multidomain-MDM | Aarhus, Dänemark, Niederlassung in Hamburg | Konzerne mit mehreren Datendomänen |
| Syndigo | SaaS, PIM, MDM und Syndication | Chicago, USA | Marken und Händler mit GDSN-Bedarf |
| Precisely EnterWorks | On-Premises oder SaaS, MDM, PIM und DAM | Burlington, USA (Precisely) | Großhandel mit vielen Niederlassungen |
| Reltio | SaaS, Multidomain-MDM | Redwood City, USA, seit Mai 2026 Teil von SAP | Konzerne, die Stammdaten aus vielen Quellen zusammenführen |
| Semarchy | SaaS, On-Premises oder auf Snowflake | Gegründet in Lyon, Sitz heute Phoenix, USA | Unternehmen, die mit einer Datendomäne starten wollen |
| SAP MDG | On-Premises, Private Cloud oder Cloud Edition | SAP, läuft auf S/4HANA | Unternehmen mit SAP S/4HANA |
| Viamedici EPIM | On-Premises oder SaaS, PIM und MDM | Ettlingen, Deutschland | Hersteller technischer Produkte mit vielen Varianten |
| novomind iPIM | On-Premises oder SaaS | Hamburg, Deutschland | Handel und Großhandel mit sehr großen Sortimenten |
| Salsify | SaaS, PXM mit Digital Shelf Analytics | Boston, USA | Konsumgütermarken mit vielen Handelspartnern |
| inriver | SaaS | Malmö, Schweden | Hersteller und Marken mit vielen Kanälen |
Die Alternativen nach Ausgangslage
Sie suchen PIM und MDM in derselben Liga
Stibo Systems verwaltet Produkt-, Kunden-, Lieferanten- und Standortdaten in einer Plattform und ist stark bei Onboarding, Datenqualität, Branchen-Taxonomien und Datenpools. Syndigo verbindet das Enterprise-PIM aus der Übernahme von Riversand mit Syndication und, über 1WorldSync, der GDSN-Anbindung. Precisely EnterWorks verbindet Multidomain-MDM, PIM und DAM, die Referenzen stammen aber überwiegend aus Nordamerika.
Sie brauchen vor allem MDM
Reltio führt Stammdaten aus vielen Quellen zu einem Golden Record zusammen und gehört seit Mai 2026 zu SAP. Laut SAP bleibt es vorerst auch als eigenständige Lösung erhältlich. Semarchy erlaubt den Start mit einer einzelnen Datendomäne. SAP Master Data Governance ist die naheliegende Wahl, wenn SAP S/4HANA Ihr führendes ERP ist. Für Produkttexte, Medien und Kanalausgabe brauchen Sie bei allen dreien zusätzlich ein PIM. Weitere Systeme unter MDM-Software.
Sie wollen einen Anbieter aus Deutschland
Viamedici EPIM aus Ettlingen verbindet PIM, MDM und DAM mit einem flexiblen Datenmodell und grafisch modellierbaren Workflows. Kunden sind etwa Knauf, REHAU und SAMSON. novomind iPIM aus Hamburg ist für Sortimente bis in den Bereich mehrerer Millionen Artikel gebaut. Der Elektrogroßhändler Alexander Bürkle führt darin die Daten von rund 2,7 Millionen Artikeln zusammen. Beide gibt es zum Selbstbetrieb und als SaaS.
Sie brauchen mehr fertige Kanäle
Salsify hat nach Anbieterangaben über 2.500 fertige Endpunkte zu Händlern, Marktplätzen und KI-Plattformen und betreibt einen eigenen GDSN-Datenpool. inriver verbindet mit Syndicate Advance PIM und Syndication und ist auf Fachanwender ausgelegt. Bei komplexen B2B-Daten mit vielen Vererbungsregeln ist Salsify allerdings weniger verbreitet.
Was ein Wechsel von Informatica bedeutet
Product-360-Installationen sind oft groß und eng mit ERP und Datenpools verbunden. Planen Sie diese Punkte ein:
- Datenmodell und Klassifikationen: Strukturen, branchenspezifische Klassifikationen und Vererbungen müssen im neuen System abgebildet werden. Prüfen Sie, welche Standards fertig unterstützt werden.
- Medien: Klären Sie früh, wo Bilder und Dokumente künftig liegen und ob ein separates DAM nötig wird.
- Schnittstellen und Datenpools: ERP-Anbindungen, Lieferanten-Onboarding und Datenpools sind meist der größte Aufwand.
- MDM-Domänen: Nutzen Sie auch Informatica MDM, entscheiden Sie, ob Kunden- und Lieferantendaten mit umziehen oder getrennt bleiben.
- Zeitplan: Rechnen Sie bei großen Installationen mit einem mehrstufigen Projekt. Was ein PIM-Projekt kostet, zeigt unser Beitrag zu PIM-Kosten.
Häufige Fragen
Gehört Informatica zu Salesforce?
Ja. Salesforce hat die Übernahme von Informatica am 18. November 2025 abgeschlossen, für rund 8 Milliarden US-Dollar. Informatica tritt seitdem als Unternehmen von Salesforce auf.
Kann ich Product 360 ohne Salesforce weiter nutzen?
Laufende Verträge gelten weiter. Ob und wie lange Product 360 unabhängig von Salesforce weiterentwickelt wird, ist offen. Lassen Sie sich vor einer Verlängerung oder Neueinführung Roadmap und Lizenzbedingungen schriftlich geben.
Was ist die beste Alternative zu Informatica Product 360?
Das hängt von Ihrem Schwerpunkt ab. Für PIM und MDM in einer Plattform kommen Stibo Systems oder Syndigo in Frage, mit Anbieter aus Deutschland Viamedici EPIM oder novomind iPIM, für viele Handelskanäle Salsify oder inriver.
Woher stammt Informatica Product 360?
Product 360 stammt vom Stuttgarter Anbieter Heiler Software, den Informatica 2012 übernommen hat. Früher war das System als p360 bekannt.
Ihr nächster Schritt
Sie nutzen Informatica Product 360 und fragen sich, wie es nach der Salesforce-Übernahme weitergeht? Wir prüfen herstellerneutral, ob Sie bleiben, migrieren oder wechseln sollten und welche Alternativen zu Ihren Daten passen. Das Erstgespräch ist kostenlos: Termin vereinbaren. Wie eine strukturierte Auswahl abläuft, zeigt unsere PIM-Auswahl, alle Systeme finden Sie in der Übersicht der PIM-Anbieter.
Stand: Oktober 2026. Angaben zu Lizenzen, Editionen und Eigentümern beruhen auf Herstellerangaben und öffentlichen Mitteilungen und können sich ändern.