PIM im Konzern: Was bei mehreren ERP-Systemen zählt

PIM im Konzern: Was bei mehreren ERP-Systemen zählt

In Konzernen kommen Produktdaten selten aus einem einzigen ERP-System. Zukäufe, Ländergesellschaften und Werke bringen eigene Systeme mit, oft mit unterschiedlichen Artikelnummern, Einheiten und Warengruppen. Ein PIM soll daraus einheitliche Produktinformationen für alle Kanäle machen. Welches System sich dafür eignet, hängt weniger vom Produktnamen ab als von der Architektur und davon, wie das System mit mehreren Quellen umgeht.

Kurz zusammengefasst

  • Bei mehreren ERP-Systemen ist zuerst zu klären, welches System für welches Feld führend ist und wie die Artikelnummern der verschiedenen ERP einander zugeordnet werden.
  • Drei Architekturen sind verbreitet: ein PIM mit Integrationsschicht, ein MDM vor dem PIM oder eine gemeinsame Plattform für MDM und PIM.
  • Laut PIM-Consultants-Verzeichnis bieten 38 von 186 PIM-Anbietern ein eigenes MDM-Modul an; 33 davon nennen Unternehmen mit über 50 Mio. € Umsatz als Zielkunden (Stand November 2026).
  • Unter den 18 Systemen unseres Überblicks sind sieben mit MDM-Modul eingetragen: ATAMYA, Informatica, novomind iPIM, Pimcore, Stibo Systems, Syndigo und Viamedici.
  • Wichtiger als jede Liste ist ein Test mit Ihren Daten: Zuordnung der Artikel aus mehreren ERP, Gesellschafts- und Länderkontexte, Schnittstellen und Leistung bei Ihrer Datenmenge.

Warum mehrere ERP-Systeme die PIM-Auswahl verändern

  • Derselbe Artikel hat in jedem ERP eine andere Nummer, Bezeichnung oder Mengeneinheit.
  • Warengruppen und Klassifikationen weichen zwischen Gesellschaften ab.
  • Preise, Bestände und Verfügbarkeit bleiben in den ERP-Systemen, die Kanäle brauchen sie aber zusammen mit den Produktinformationen.
  • Ländergesellschaften pflegen eigene Texte, Zertifikate und Sortimente.
  • ERP-Umstellungen, etwa auf SAP S/4HANA, dauern oft Jahre. Das PIM muss alte und neue Systeme so lange parallel bedienen.

Drei Architekturen im Vergleich

ArchitekturSo funktioniert siePasst, wennWorauf achten
PIM mit IntegrationsschichtDie ERP-Systeme liefern Artikel über eine Integrationsplattform an ein zentrales PIM. Dort werden Artikel zugeordnet, angereichert und an die Kanäle ausgegeben.Es geht vor allem um Produktdaten; Kunden- und Lieferantendaten bleiben in den ERP-Systemen.Zuordnungstabellen für Artikelnummern, Fehlerbehandlung, Betrieb der Schnittstellen
MDM vor dem PIMEin MDM bildet aus den ERP-Daten je Artikel einen Golden Record. Das PIM übernimmt ihn und ergänzt Marketing- und technische Inhalte.Auch Materialien, Lieferanten oder Kunden müssen konzernweit bereinigt werden; Data Governance ist ein eigenes Ziel.zwei Systeme und zwei Projekte; klare Regel, welches System welches Feld führt
Eine Plattform für MDM und PIMEin Anbieter deckt Stammdaten und Produktinformationen in einem System und einem Datenmodell ab.Sie wollen weniger Schnittstellen und eine gemeinsame Datenbasis.Prüfen, ob beide Teile gleich ausgereift sind; Abhängigkeit von einem Anbieter

Den Unterschied zwischen den Systemklassen erklärt der Wiki-Eintrag PIM, MDM oder PXM.

Was ein PIM im Konzern können muss

  • Datenmodell mit Kontexten: Gesellschaft, Land, Sprache und Kanal; zentrale Werte, die lokal ergänzt oder überschrieben werden können.
  • Zuordnung mehrerer Artikelnummern: Querverweise zwischen den Nummern der ERP-Systeme und eine Prüfung auf Dubletten.
  • Regeln je Quelle: Festlegen, welches System welches Feld liefern darf, und was bei widersprüchlichen Werten passiert.
  • Rollen, Rechte und Workflows je Gesellschaft: lokale Pflege, zentrale Freigabe für gemeinsame Daten.
  • Schnittstellen: dokumentierte API, Ereignisse bei Änderungen, Massenimport und fertige Konnektoren für Ihre ERP-Systeme.
  • Leistung: Import- und Antwortzeiten bei Ihrer Datenmenge, im Test mit echten Daten belegt.
  • Nachvollziehbarkeit: Änderungsprotokoll je Feld, damit klar bleibt, wer was aus welcher Quelle geändert hat.

Welche Systeme in Frage kommen

Laut PIM-Consultants-Verzeichnis, Stand November 2026:

  • 123 der 186 Anbieter nennen Unternehmen mit über 50 Mio. € Umsatz als Zielkunden.
  • 38 Anbieter haben ein eigenes MDM-Modul, 33 davon für Kunden mit über 50 Mio. € Umsatz.
  • 62 Anbieter nennen eine API mit Echtzeit-Ereignissen.
  • Unter den 18 Systemen unseres Überblicks richten sich censhare, Informatica, Salsify, SAP Commerce Cloud, Stibo Systems und Syndigo vor allem an Großunternehmen. Mit MDM-Modul eingetragen sind ATAMYA, Informatica, novomind iPIM, Pimcore, Stibo Systems, Syndigo und Viamedici.
  • Daneben führt das Verzeichnis Plattformen für Stammdaten über mehrere Domänen, etwa Ataccama ONE, Profisee, Reltio, SAP Master Data Governance und Semarchy.

Die Aufzählung ist keine Empfehlung. Welche zwei oder drei Systeme in die engere Wahl kommen, entscheidet ein Test mit Ihren Daten und Ihren ERP-Schnittstellen. Hilfreich sind dabei die Direktvergleiche SAP MDG oder Stibo Systems und Stibo Systems oder Informatica sowie der Beitrag PIM und SAP.

Fragen an Anbieter

  1. Wie ordnet das System Artikel aus mehreren ERP-Systemen einander zu? Zeigen Sie es mit unseren Daten.
  2. Welche ERP-Konnektoren gibt es fertig, und wer pflegt sie bei neuen ERP-Versionen?
  3. Wie werden Gesellschaften, Länder und lokale Sortimente im Datenmodell abgebildet?
  4. Was passiert, wenn zwei Quellen für dasselbe Feld unterschiedliche Werte liefern?
  5. Welche Kunden betreiben das System mit mehreren ERP-Systemen, und können wir mit ihnen sprechen?
  6. Was kostet das System bei unserer Zahl an Gesellschaften, Nutzern, Sprachen und Artikeln?

Häufige Fragen

Welche PIM-Systeme eignen sich für Konzerne mit mehreren ERP-Systemen?

Kein System passt für jeden Konzern. In Frage kommen Systeme, die Artikel aus mehreren ERP-Systemen zuordnen, Gesellschafts- und Länderkontexte abbilden und über APIs und Ereignisse angebunden werden. Laut PIM-Consultants-Verzeichnis haben 38 von 186 PIM-Anbietern zusätzlich ein MDM-Modul. Entscheidend ist ein Test mit eigenen Daten.

Brauche ich bei mehreren ERP-Systemen ein MDM?

Nicht zwingend. Geht es nur um Produktdaten, reicht oft ein PIM mit sauberer Integrationsschicht. Ein MDM lohnt sich, wenn auch Materialien, Lieferanten oder Kunden konzernweit abgeglichen werden müssen.

Welches System ist führend, ERP oder PIM?

Meist bleibt das ERP führend für kaufmännische Daten wie Artikelnummer, Preis und Bestand, das PIM für Marketing- und technische Produktinformationen. Wichtig ist eine feste Regel je Feld, die alle Gesellschaften einhalten.

Hilft ein PIM bei einer ERP-Umstellung?

Ja. Ein PIM kann die Kanäle stabil mit Produktdaten versorgen, während ERP-Systeme schrittweise abgelöst werden. Voraussetzung sind Schnittstellen zu altem und neuem ERP, die eine Zeit lang parallel laufen.

Quellen

Stand: November 2026

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