PIM und SAP: Schnittstellen, Datenaufteilung und passende Systeme 2026

PIM und SAP: Schnittstellen zu S/4HANA und ECC

In vielen Industrie- und Handelsunternehmen ist SAP das führende System für Artikel: Materialnummer, Mengeneinheiten, Gewichte, Preise und Bestände entstehen im Materialstamm. Für Onlineshop, Marktplätze, Händler und Katalog reichen diese Daten aber nicht. Texte, Merkmale, Bilder und Übersetzungen werden in einem PIM-System gepflegt. Damit beides zusammenpasst, braucht es eine klare Aufgabenteilung und eine verlässliche Schnittstelle. Dieser Beitrag zeigt, welche Daten wo hingehören, wie die Anbindung technisch funktioniert und welche PIM-Systeme fertige SAP-Anbindungen mitbringen.

Kurz zusammengefasst

  • SAP bleibt führend für kaufmännische und logistische Daten, das PIM für alles, was Kanäle zum Verkaufen brauchen.
  • Der übliche Weg: Artikel entstehen in SAP, werden ans PIM übergeben, dort angereichert und an die Kanäle ausgegeben.
  • Technisch erfolgt die Anbindung über IDocs, über die APIs von SAP S/4HANA oder über eine Integrationsplattform wie die SAP Integration Suite.
  • Mehrere PIM-Anbieter liefern fertige Anbindungen oder Vorlagen, etwa Akeneo, AtroPIM, inriver, Pimcore (über Partner) und Stibo Systems.
  • Die Standardwartung für SAP ECC 6.0 (Erweiterungspakete 6 bis 8) endet am 31.12.2027, die kostenpflichtige erweiterte Wartung Ende 2030. Neue Schnittstellen sollten deshalb S/4HANA berücksichtigen.

Welche Daten gehören wohin?

DatenbereichMeist führendBeispiele
GrunddatenSAPMaterialnummer, Bezeichnung, Mengeneinheit, Gewicht, Maße, Warengruppe
Kaufmännische DatenSAPPreise, Konditionen, Bestände, Verfügbarkeit, Zolltarifnummer
Vertriebstexte und MerkmalePIMProduktbeschreibungen, Verkaufsargumente, technische Merkmale für Kanäle
Medien und DokumentePIM oder DAMProduktbilder, Datenblätter, Montageanleitungen, Sicherheitsinformationen
ÜbersetzungenPIMTexte und Merkmale je Sprache und Land
KlassifikationPIM, teils SAPETIM, ECLASS, GS1, Kanal-Kategorien
Status und FreigabeabgestimmtVerkaufsfreigabe in SAP, Kanalfreigabe im PIM

Wichtig ist, dass jedes Feld genau ein führendes System hat. Wird dasselbe Feld in SAP und im PIM gepflegt, entstehen Widersprüche. Legen Sie die Aufteilung vor der Systemauswahl fest und schreiben Sie sie in die Anforderungen.

So fließen die Daten

  1. Neuanlage in SAP: Der Artikel entsteht im Materialstamm, meist durch Einkauf, Produktmanagement oder Stammdatenpflege.
  2. Übergabe ans PIM: Die Grunddaten gehen automatisch ins PIM, bei Neuanlage und bei jeder Änderung.
  3. Anreicherung im PIM: Produktmanagement und Marketing ergänzen Texte, Merkmale, Bilder und Übersetzungen. Workflows prüfen, ob alle Pflichtangaben je Kanal vorhanden sind.
  4. Ausgabe an die Kanäle: Das PIM liefert an Shop, Marktplätze, Händler und Katalog.
  5. Rückweg, wenn nötig: Einzelne Felder, etwa Klassifikationen oder Kurztexte, schreibt das PIM nach SAP zurück. Halten Sie diesen Rückweg klein.

Technische Wege der Anbindung

  • IDocs: Das klassische Austauschformat von SAP. Für Materialstammdaten gibt es den Nachrichtentyp MATMAS. Stibo Systems nutzt für seine Anbindung zum Beispiel IDoc MATMAS 05 und unterstützt damit R/3, ECC und S/4HANA.
  • APIs von SAP S/4HANA: S/4HANA stellt Stammdaten über Programmierschnittstellen (OData) bereit. Darauf setzen neuere Anbindungen, etwa der Pimcore-Konnektor von diva-e.
  • Integrationsplattform: Die SAP Integration Suite mit dem Baustein Cloud Integration läuft auf der SAP Business Technology Platform (BTP) und vermittelt zwischen SAP und PIM. Akeneo bietet dafür Vorlagen an, der Pimcore-Konnektor von diva-e nutzt Cloud Integration, und inriver hat seinen Konnektor auf der SAP BTP gebaut.
  • Allgemeine Integrationssoftware: Middleware anderer Anbieter verbindet SAP und PIM ebenfalls. Das lohnt sich, wenn sie im Unternehmen schon im Einsatz ist.

Fertige SAP-Anbindungen ausgewählter PIM-Systeme

Die Tabelle nennt Anbindungen, die die Anbieter oder ihre Partner öffentlich beschreiben. Sie ist alphabetisch sortiert und keine Rangliste. Auch mit fertigem Konnektor bleibt die Anbindung ein Projekt: Felder zuordnen, Regeln festlegen, testen.

SystemSAP-Anbindung laut AnbieterTechnik
AkeneoVorlagen („Accelerators“) für S/4HANA: Materialstamm von SAP ins PIM und Rückweg vom PIM nach SAPSAP Integration Suite, Teil eines Integrationsprojekts
AtroPIMKonnektor für SAP S/4HANA: einmaliger Import, einseitige oder beidseitige Synchronisation von Produkten, Kategorien, Attributen, Bildern und PreisenAPI von S/4HANA, Preis auf Anfrage
inriverSAP-zertifizierter Konnektor für S/4HANA Cloud (Mai 2026): Produktdaten von SAP ins PIM und weiter an SAP Commerce CloudSAP Business Technology Platform, Zusatzmodul im SAP Store
PimcorePartner-Konnektor von diva-e: Materialstamm, Preise, Bestände und Bestellungen zwischen S/4HANA und PimcoreSAP Cloud Integration auf der SAP BTP, OData; laut diva-e 500 € im Monat bei drei Jahren Laufzeit
SAP Commerce Cloudeigenes Product Content Management im SAP-Shopsystemkeine zusätzliche Schnittstelle, wenn der Shop auf SAP Commerce läuft
Stibo Systems„SAP Connectivity for Material Master“ für R/3, ECC und S/4HANAIDoc MATMAS 05

Weitere Anbieter binden SAP über Partner oder Projektlösungen an. Fragen Sie konkret nach Referenzen mit Ihrer SAP-Version. Wer SAP Master Data Governance als zentrale Stammdatenlösung prüft, findet die Unterschiede zu einem MDM-System im Vergleich SAP MDG vs. Stibo Systems.

ECC oder S/4HANA: Was der Umstieg für die Schnittstelle bedeutet

Für SAP ECC 6.0 mit den Erweiterungspaketen 6 bis 8 endet die Standardwartung am 31. Dezember 2027. Gegen Aufpreis gibt es eine erweiterte Wartung bis Ende 2030. Viele Unternehmen führen PIM und S/4HANA deshalb gleichzeitig oder kurz nacheinander ein. Das hat Folgen für die Schnittstelle:

  • Eine neue Anbindung an ECC sollte so gebaut sein, dass sie beim Wechsel auf S/4HANA weiter funktioniert, etwa über eine Integrationsplattform statt über direkte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen.
  • Der Umstieg ist eine gute Gelegenheit, den Materialstamm zu bereinigen und Vertriebstexte aus SAP ins PIM zu verlagern.
  • Klären Sie früh, ob Ihr Unternehmen S/4HANA in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum betreibt. Nicht jeder Konnektor unterstützt beide Varianten.

Diese Fragen sollten Sie jedem Anbieter stellen

  1. Welche SAP-Versionen unterstützt die Anbindung: ECC, S/4HANA im eigenen Rechenzentrum, S/4HANA Cloud?
  2. Ist der Konnektor ein Standardprodukt des Herstellers, ein Partnerprodukt oder ein Projekt?
  3. Welche Objekte werden übertragen: Materialstamm, Klassifikation, Preise, Bestände, Bestellungen?
  4. Werden Änderungen sofort übertragen oder in festen Abständen?
  5. Wie werden Fehler gemeldet, und wer behebt sie?
  6. Wer pflegt die Anbindung bei neuen Versionen von SAP oder PIM, und was kostet das?
  7. Gibt es Referenzkunden mit vergleichbarer SAP-Landschaft?

Welche PIM-Systeme sonst in Frage kommen, zeigt unser Überblick PIM-Systeme im Vergleich. Erfahrene Partner für Ihr System finden Sie im Integratorenverzeichnis.

Häufige Fragen

Brauche ich ein PIM, wenn ich SAP habe?

Wenn Sie Produktdaten nur für interne Prozesse brauchen, reicht SAP oft aus. Sobald Shops, Marktplätze, Händler oder Kataloge mehrsprachige Texte, Merkmale und Bilder verlangen, ist ein PIM meist der bessere Ort dafür. SAP bleibt dann führend für Grund- und kaufmännische Daten.

Welche PIM-Systeme haben eine SAP-Schnittstelle?

Fertige Anbindungen oder Vorlagen beschreiben unter anderem Akeneo, AtroPIM, inriver, Pimcore (über den Partner diva-e) und Stibo Systems. SAP Commerce Cloud bringt ein eigenes Product Content Management mit. Auch mit fertigem Konnektor bleibt die Einführung ein Projekt.

IDoc oder API: Was ist besser?

IDocs sind erprobt und werden von ECC und S/4HANA unterstützt. Die APIs von S/4HANA und Integrationsplattformen wie die SAP Integration Suite sind flexibler und passen besser zu Cloud-Szenarien. Neuere Anbindungen, etwa von AtroPIM, inriver und dem Pimcore-Partner diva-e, nutzen die APIs von S/4HANA oder die SAP BTP.

Was passiert mit der PIM-Schnittstelle beim Umstieg auf S/4HANA?

Das hängt von der Bauart ab. Läuft die Anbindung über eine Integrationsplattform, muss meist nur die SAP-Seite angepasst werden. Direkte Verbindungen zu ECC müssen oft neu gebaut werden. Planen Sie die Schnittstelle deshalb gleich S/4HANA-fähig.

Welche Daten bleiben in SAP?

In der Regel Grunddaten wie Materialnummer, Mengeneinheit und Gewicht sowie kaufmännische Daten wie Preise und Bestände. Vertriebstexte, Merkmale für Kanäle, Bilder und Übersetzungen gehören ins PIM.

Quellen

Stand: November 2026

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