Kurz gesagt: Mit dem Product Content Management (PCM) von SAP Commerce Cloud pflegen viele Unternehmen ihre Produktdaten direkt für den SAP-Shop. Das reicht, solange der Shop der wichtigste Kanal ist. Wer Marktplätze, Händler, Print oder weitere Shops versorgen muss, setzt meist ein eigenständiges PIM davor, etwa Akeneo, inriver, Salsify, Centric PXM, Informatica Product 360 oder Stibo Systems. Für ERP-Stammdaten bleibt SAP Master Data Governance zuständig. Wer den ganzen Shop ablösen will, schaut sich Plattformen mit integriertem PIM wie SCAYLE oder Dynamicweb an.
Warum Unternehmen eine Alternative zu SAP Commerce Cloud PCM suchen
Auf dieser Seite geht es um den Produktdaten-Teil von SAP Commerce Cloud, nicht um den Shop als Ganzes. Diese Gründe sprechen für ein eigenständiges PIM:
- Bindung an den Shop: PCM ist an die SAP-Commerce-Storefront gebunden. Marktplätze, Händlerportale, Print oder andere Shops müssen gesondert versorgt werden.
- Fehlende Bausteine: Funktionen für Lieferanten-Onboarding, Syndication und ein umfangreiches DAM fehlen weitgehend.
- Bedienung: PCM richtet sich eher an geschulte Shop-Teams als an Produktmanager und Marketing.
- Ende der On-Premises-Wartung: Die letzte On-Premises-Version SAP Commerce 2205 hat am 31. Juli 2026 das Ende der regulären Wartung erreicht. On-Premises-Kunden entscheiden jetzt: Wechsel in die Commerce Cloud mit PCM oder ein eigenständiges PIM vor dem Shop.
Einige PIM-Anbieter sprechen in ihrem Marketing von einem Auslaufen von PCM. Eine offizielle SAP-Mitteilung dazu haben wir nicht gefunden. Laut SAP gibt es für SAP Commerce kein festgelegtes Lebensende, und PCM bleibt Teil von SAP Commerce Cloud.
Wann SAP Commerce Cloud PCM trotzdem die richtige Wahl ist
Wenn Ihr Onlinegeschäft im Wesentlichen auf SAP Commerce läuft und die Produktdaten vor allem diesem Shop dienen, ist PCM naheliegend: keine zusätzliche Lizenz, keine zusätzliche Schnittstelle, dieselbe Plattform wie der Shop. PCM bringt mehrere Hierarchien, Varianten, Klassifikationen, Mehrsprachigkeit und Medien mit, dazu Freigaben über eine Staging- und eine Online-Version je Katalog. Details im Profil von SAP Commerce Cloud.
SAP Commerce Cloud Alternativen auf einen Blick
| Alternative | Typ und Lizenz | Herkunft | Passt besonders für |
| Akeneo | SaaS, modular lizenziert | Nantes, Frankreich, Niederlassung in Düsseldorf | Marken und Händler mit Onlinefokus und vielen Marktplätzen |
| inriver | SaaS | Malmö, Schweden | Hersteller und Marken mit vielen digitalen Kanälen |
| Salsify | SaaS, PXM mit Digital Shelf Analytics | Boston, USA | Konsumgütermarken mit vielen Handelspartnern |
| Centric PXM | SaaS, Konnektoren unter anderem zu SAP | Centric Software, Teil von Dassault Systèmes (früher Contentserv) | Enterprise mit PIM, DAM und Syndication in einer Plattform |
| Informatica Product 360 | SaaS, PIM und Multidomain-MDM | Redwood City, USA, Niederlassung in Stuttgart, Teil von Salesforce | Konzerne mit B2B- und B2C-Geschäft |
| Stibo Systems | SaaS, Multidomain-MDM | Aarhus, Dänemark, Niederlassung in Hamburg | Handel und Hersteller mit komplexen Datenmodellen |
| Pimcore | Open Core (POCL), Selbstbetrieb oder PaaS | Salzburg, Österreich | Komplexe Datenmodelle mit eigenem Entwicklerteam |
| SAP Master Data Governance | On-Premises, Private Cloud oder Cloud Edition | SAP, läuft auf SAP S/4HANA | ERP-Stammdaten auf SAP S/4HANA, als Ergänzung zum PIM |
| SCAYLE | SaaS, Commerce Engine mit PIM-Modul | Hamburg, Teil der ABOUT YOU Group | Marken, die auch den Shop ablösen wollen |
| Dynamicweb | On-Premises oder SaaS, PIM, Commerce und CMS | Aarhus, Dänemark, Büro in Berlin | B2B-Unternehmen mit Microsoft Dynamics |
Die Alternativen nach Ausgangslage
Sie behalten SAP Commerce und setzen ein PIM davor
Das ist der häufigste Weg. Das PIM wird zur führenden Quelle für Produktinhalte und versorgt den SAP-Shop ebenso wie Marktplätze, Händler und Print. Akeneo spielt mit dem Modul Activation Produktdaten an mehrere hundert Marktplätze aus, der Supplier Data Manager holt Lieferantendaten ab. inriver bietet grafische Workflows und eine REST-API für die Anbindung an ERP und Shop. Salsify ist für Markenhersteller gebaut und zeigt mit Digital Shelf Analytics, wie die eigenen Produkte bei Händlern erscheinen. Centric PXM nennt Konnektoren und APIs unter anderem zu SAP. Fragen Sie bei jedem Anbieter nach einem fertigen Konnektor zu SAP Commerce Cloud und nach Referenzen.
Sie brauchen Enterprise-PIM mit MDM
Informatica Product 360 stammt ursprünglich vom Stuttgarter Anbieter Heiler Software und wird um MDM für Kunden, Lieferanten und Standorte ergänzt. Seit November 2025 gehört Informatica zu Salesforce. Stibo Systems verwaltet Produkt-, Kunden-, Lieferanten- und Standortdaten in einer Plattform. Pimcore verbindet PIM, MDM und DAM mit frei definierbarem Datenmodell, ist seit Version 12 aber nur noch für Unternehmen unter 5 Millionen Euro Jahresumsatz kostenlos.
Sie wollen ERP-Stammdaten in SAP sauber halten
SAP Master Data Governance ist kein PIM, sondern die Lösung für Material-, Geschäftspartner- und Finanzstammdaten auf SAP S/4HANA. Für Produkttexte, Bilder, Kanalvarianten oder Marktplatzdaten ist MDG nicht gemacht. In vielen SAP-Landschaften arbeiten MDG und ein PIM deshalb zusammen. Den Unterschied erklärt unser Beitrag PIM vs. MDM.
Sie lösen den ganzen Shop ab
SCAYLE ist eine Enterprise-Commerce-Plattform mit integriertem PIM-Modul, entstanden aus der Shop-Technologie von ABOUT YOU. Kunden sind nach Herstellerangaben Levi’s, Harrods, Deichmann und Fielmann. Dynamicweb verbindet PIM, E-Commerce und CMS und ist eng mit Microsoft Dynamics verzahnt. Bei beiden gilt: Wer viele Kanäle außerhalb des eigenen Shops bedient, sollte prüfen, ob ein eigenständiges PIM nicht doch besser passt. Mehr dazu unter PIM für E-Commerce.
Was ein Wechsel von SAP Commerce Cloud PCM bedeutet
Bei einem PIM vor SAP Commerce bleibt der Shop bestehen, nur die Pflege der Produktinhalte zieht um. Planen Sie diese Punkte ein:
- Datenmodell: Kataloge, Kategorien, Klassifikationen und Varianten aus PCM müssen im PIM abgebildet werden. Legen Sie fest, welche Attribute aus dem ERP kommen und welche im PIM entstehen.
- Freigaben: Die Freigabe über Staging- und Online-Katalog wird durch Workflows im PIM ersetzt. Klären Sie, wer künftig was freigibt.
- Schnittstellen: Gebraucht werden mindestens eine Anbindung vom ERP ins PIM und vom PIM in den SAP-Commerce-Katalog. Das ist meist der größte Aufwand.
- Medien: Bilder und Dokumente ziehen ins PIM oder in ein eigenes DAM.
- Zeitplan: Für mittelgroße Sortimente sollten Sie mit drei bis sechs Monaten rechnen, bei vielen Ländern und Kanälen länger. Was ein PIM-Projekt kostet, zeigt unser Beitrag zu PIM-Kosten.
Häufige Fragen
Wird SAP Product Content Management abgekündigt?
Eine offizielle SAP-Mitteilung dazu haben wir nicht gefunden. Laut SAP bleibt PCM Teil von SAP Commerce Cloud. Die On-Premises-Version SAP Commerce 2205 hat am 31. Juli 2026 aber das Ende der regulären Wartung erreicht.
Brauche ich ein PIM, wenn ich SAP Commerce Cloud nutze?
Nicht zwingend. Dient Ihr Produktdatenbestand vor allem dem SAP-Shop, reicht PCM oft aus. Sobald Marktplätze, Händler, Print oder weitere Shops dazukommen, ist ein eigenständiges PIM meist die bessere Lösung.
Ersetzt SAP Master Data Governance ein PIM?
Nein. SAP MDG ist für ERP-Stammdaten wie Material, Geschäftspartner und Finanzdaten gemacht. Produkttexte, Bilder und Kanalvarianten gehören in ein PIM. Beide Systeme ergänzen sich.
Wie lange dauert die Einführung eines PIM vor SAP Commerce?
Bei einem klaren Datenmodell sind drei bis sechs Monate realistisch. Den größten Anteil haben meist die Schnittstellen zu ERP und SAP Commerce.
Ihr nächster Schritt
Sie nutzen SAP Commerce und überlegen, ob PCM reicht oder ein PIM davor gehört? Wir prüfen herstellerneutral, welche Lösung zu Ihrer SAP-Landschaft passt, welche zwei oder drei PIM-Systeme in Frage kommen und mit welchem Aufwand Sie rechnen müssen. Das Erstgespräch ist kostenlos: Termin vereinbaren. Wie eine strukturierte Auswahl abläuft, zeigt unsere PIM-Auswahl, alle Systeme finden Sie in der Übersicht der PIM-Anbieter.
Stand: Oktober 2026. Angaben zu Lizenzen, Editionen, Wartungszeiträumen und Eigentümern beruhen auf Herstellerangaben und öffentlichen Mitteilungen und können sich ändern.