- Allgemein
SAP Hybris ohne Wartung: Warum Sie zuerst das PIM migrieren sollten
Für SAP Commerce On-Premise, das frühere SAP Hybris, ist die reguläre Wartung vorbei. Am 31. Juli 2026 endete die Mainstream Maintenance für Release 2205, das letzte Release für den eigenen Betrieb. Wer noch On-Premise arbeitet, steht vor einer Plattformentscheidung: in die SAP Commerce Cloud wechseln oder auf ein anderes Shopsystem umsteigen. In beiden Fällen lohnt ein Blick auf die Produktdaten, denn sie sind der aufwendigste Teil jeder Migration. Wir erklären, warum es oft sinnvoll ist, zuerst das PIM zu migrieren.
Kurz zusammengefasst
- SAP Commerce 2205 ist das letzte On-Premise-Release. Seit dem 31. Juli 2026 gibt es dafür nur noch Customer-Specific Maintenance: keine Patches, keine Anpassungen an neue Gesetze, keine neuen Java-Versionen.
- Ein festes Lebensende hat SAP nicht genannt. Bestehende Wartungsverträge laufen weiter, aber das System veraltet.
- Das Produktdatenmanagement im Backoffice (PCM) wird nicht abgekündigt. Es bleibt Teil der SAP Commerce Cloud.
- In der Commerce Cloud gibt es monatliche Updates. Jede Version wird sechs Monate unterstützt, eine aktuelle Version ist vertraglich Pflicht.
- Wer Produktdaten vor dem Shopwechsel in ein eigenständiges PIM überführt, kann alten und neuen Shop parallel versorgen und entscheidet die Shopfrage unabhängig von den Daten.
Was genau ausläuft
| Version | Betrieb | Status |
|---|---|---|
| 1905, 2005, 2011 | On-Premise | Mainstream Maintenance endete am 31.03.2023 |
| 2105 | On-Premise | Mainstream Maintenance endete am 19.08.2023 |
| 2205 | On-Premise | letztes On-Premise-Release, Mainstream Maintenance endete am 31.07.2026, seitdem Customer-Specific Maintenance |
| 2211 | nur Commerce Cloud | versionslos mit monatlichen Updates (2211.x), jedes Update sechs Monate unterstützt |
Customer-Specific Maintenance heißt: Bekannte Fehler können noch behoben werden, neue Patches, Anpassungen an Gesetzesänderungen, aktualisierte Bibliotheken und neue Java-Versionen gibt es aber nicht mehr. Für einen Onlineshop, der Zahlungen abwickelt und an viele Systeme angebunden ist, wird das von Monat zu Monat zum größeren Sicherheits- und Betriebsrisiko.
Kein Aus für das Produktdatenmanagement in SAP Commerce
Im Markt kursiert die Aussage, SAP stelle das Produktdatenmanagement von Commerce (Product Content Management, PCM) ein. Belegt ist das nicht. Entfernt wurde mit dem Framework-Update 2211-jdk21 nur das alte Product Cockpit aus der Hybris-Version 5. Das PCM im Backoffice bietet SAP weiter an, inzwischen ergänzt um den KI-Agenten Catalog Optimization Agent, der seit Anfang 2026 Texte, Attribute und Übersetzungen prüft.
Richtig ist aber: Wer PCM On-Premise nutzt, ist vom Wartungsende genauso betroffen wie vom Rest des Systems. Und PCM ist an den Shop gebunden. Wer die Commerce-Plattform verlässt, verliert auch sein Produktdatenmanagement.
Drei Wege nach dem Wartungsende
| Weg | Passt, wenn | Darauf achten |
|---|---|---|
| Wechsel in die SAP Commerce Cloud | SAP Commerce fachlich passt und die SAP-Strategie gesetzt ist | monatliche Updates, Umstieg auf JDK 21 und Jakarta EE, Accelerator-Storefronts sind veraltet und werden nicht automatisch migriert |
| Wechsel auf ein anderes Shopsystem | Kosten und Komplexität von SAP Commerce nicht mehr zum Geschäft passen | Migration der Produktdaten aus dem Hybris-Datenmodell, neue Schnittstellen zu ERP und Marktplätzen, Parallelbetrieb |
| Übergangsweise weiterbetreiben | der Wechsel vorbereitet wird und das Risiko bewusst getragen wird | keine Sicherheits-Patches mehr von SAP, Drittanbieter-Support ersetzt keine Weiterentwicklung |
Partner nennen für den Umstieg von On-Premise in die Commerce Cloud meist vier bis zwölf Monate, für einen kompletten Plattformwechsel im B2B ein bis zwei Jahre. Belastbare Angaben von SAP selbst gibt es dazu nicht.
Welches PIM passt zu Ihrer Commerce-Strategie?
Unser PIM-Finder zeigt in wenigen Minuten, welche Systeme zu Ihrem ERP, Ihrer Branche und Ihrer Unternehmensgröße passen.
Warum das PIM zuerst migriert werden sollte
In vielen Hybris-Installationen steckt das Produktdatenmodell im Shop: Kataloge, Klassifikationen, Attribute und Medien sind über Jahre gewachsen, oft mit Erweiterungen, die nur dieses System versteht. Genau dieser Teil macht Migrationen aufwendig. Wer die Produktdaten zuerst in ein eigenständiges PIM überführt, hat drei Vorteile:
- Die Shopentscheidung wird unabhängig: Ist das PIM die führende Quelle, wird die Wahl des neuen Shops eine Frage des Frontends und der Prozesse, nicht der Daten. Sie können SAP Commerce Cloud und andere Systeme fair vergleichen.
- Alter und neuer Shop laufen parallel: Das PIM beliefert beide Shops als Kanäle. Der Katalog muss während der Migration nicht eingefroren werden, und der Umstieg kann schrittweise nach Ländern oder Sortimenten erfolgen.
- Aufräumen statt kopieren: Beim Umzug ins PIM lassen sich doppelte und veraltete Attribute bereinigen. Das neue Shopsystem startet mit einem sauberen Datenmodell, statt die Altlasten mitzunehmen.
Die Ausnahme: Wer einen kleinen, stabilen Katalog hat und ohnehin in der SAP Commerce Cloud bleibt, kommt mit dem PCM aus und kann den Plattformumstieg direkt angehen.
PIM-Anbieter mit Anbindung an SAP Commerce Cloud
SAP listet auf seiner Seite mit Partnerlösungen für die Commerce Cloud Akeneo und inriver als PIM-Partner, beide mit Eintrag im SAP Store. AtroPIM und prodexa beschreiben eigene Konnektoren. Bei vielen anderen Anbietern läuft die Anbindung projektspezifisch über die Schnittstellen von SAP Commerce (OCC-REST-API, ImpEx oder Integration APIs). Dass kein öffentlicher Konnektor dokumentiert ist, heißt also nicht, dass die Anbindung nicht möglich ist. Lassen Sie sich im Auswahlprozess eine Referenz mit SAP Commerce zeigen.
Diese Fragen sollten Sie vor der Migration klären
- Welche Produktdaten liegen heute nur in SAP Commerce, und welches System soll künftig führend sein?
- Wie viele Attribute, Klassifikationen und Kataloge nutzen wir tatsächlich, und welche können weg?
- Welche Kanäle neben dem Shop brauchen dieselben Daten, etwa Marktplätze, Print oder Händlerportale?
- Bleiben wir bei SAP Commerce, und wenn ja, reicht das PCM für unsere Anforderungen?
- Wie lange können wir das On-Premise-System noch vertretbar betreiben, und was kostet der Übergang?
Hybris-Ablösung planen?
Im kostenlosen Erstgespräch (30 Minuten) klären wir, ob ein eigenständiges PIM für Ihre Migration sinnvoll ist und welche Systeme in Frage kommen.
Sie wollen vor der Hybris-Ablösung Verträge, Kosten und Alternativen prüfen lassen? Mit dem PIM Vendor & Contract Review bekommen Sie eine herstellerneutrale Empfehlung: bleiben, nachverhandeln oder wechseln.
Häufige Fragen
Wann endet die Wartung für SAP Hybris On-Premise?
Für das letzte On-Premise-Release 2205 endete die Mainstream Maintenance am 31. Juli 2026. Seitdem gibt es nur noch Customer-Specific Maintenance ohne neue Patches, Gesetzesanpassungen oder Java-Updates. Ältere Releases haben das Wartungsende schon 2023 erreicht.
Stellt SAP das Produktdatenmanagement (PCM) in SAP Commerce ein?
Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Entfernt wurde nur das alte Product Cockpit aus Hybris 5. Das PCM im Backoffice bleibt Teil der SAP Commerce Cloud. On-Premise-Installationen sind aber vom allgemeinen Wartungsende betroffen.
Brauche ich neben SAP Commerce ein eigenes PIM?
Nicht zwingend. Ein eigenes PIM lohnt sich, wenn neben dem Shop weitere Kanäle beliefert werden, das Sortiment groß oder technisch komplex ist oder ein Wechsel der Shopplattform möglich ist. Für kleine, stabile Kataloge in der Commerce Cloud reicht oft das PCM.
Welche PIM-Systeme lassen sich an SAP Commerce Cloud anbinden?
SAP listet Akeneo und inriver als PIM-Partner für die Commerce Cloud. AtroPIM und prodexa bieten eigene Konnektoren an. Andere PIM-Systeme werden projektspezifisch über die Schnittstellen von SAP Commerce angebunden.
Quellen
- SAP Help: End of Mainstream Maintenance for SAP Commerce
- Rimini Street: SAP End of Mainstream Maintenance Deadlines
- Spinnaker Support: SAP Commerce On-Premises EoMM
- Netconomy: SAP Hybris to Commerce Cloud Migration
- Akeneo: SAP Commerce On-Premise
- eturia: SAP Commerce Upgrade
- SAP Learning: Framework Updates
- SAP Learning: Deprecations and Removals
- SAP: Product Catalogue Management
- SAP News: Business AI Release Highlights Q1 2026
- SAP: Solution Extensions für SAP Commerce Cloud
- AtroPIM: SAP Commerce Cloud Integration
- prodexa: SAP Commerce Cloud und PIM
- Akeneo: White Paper eCommerce Platform Migration (PDF)
- apollon: SAP Hybris End of Life Migration Playbook
Stand: 26. Oktober 2026
Haben Sie Fragen? Wir beraten Sie gerne.
Sie betreiben SAP Commerce noch On-Premise und überlegen, wie es mit Shop und Produktdaten weitergeht? Sprechen Sie uns an.
Herstellerneutrale Beratung anfragen
Sie betreiben SAP Commerce noch On-Premise und planen die Ablösung? Schreiben Sie uns kurz, welche Systeme Sie nutzen und wo Sie gerade stehen.
Wir melden uns mit einer ersten Einschätzung und einem Vorschlag für die nächsten Schritte.
Newsletter PIM-Markt-Update
Übernahmen, neue Anbieter, Praxistipps: alle sechs bis acht Wochen per E-Mail
Kurz und herstellerneutral: was sich im PIM-Markt bewegt und was es für Ihre Auswahl bedeutet. Abmeldung jederzeit.
Weitere Infos aus dem Bereich PIM
News & Blog

Stibo Systems nur noch als SaaS: Was On-Premise-Kunden bis Ende 2027 entscheiden müssen
Stibo Systems entwickelt STEP nur noch für SaaS weiter, der On-Premise-Support endet am 31. Dezember 2027. Was sich ändert, wer betroffen ist und welche drei Wege On-Premise-Kunden jetzt haben.

KI im PIM 2026: Was die Anbieter heute wirklich liefern
Welche KI-Funktionen PIM-Anbieter 2026 wirklich liefern: Agenten, MCP-Server, eigene KI-Modelle und Preise bei 17 Anbietern im Überblick, dazu die Pflichten aus dem EU AI Act.

Main Capital übernimmt 4ALLPORTAL: Startschuss für eine PIM-Plattform im DACH-Raum?
Main Capital Partners hält seit dem 26. Oktober 2026 die Mehrheit an 4ALLPORTAL und kündigt eine selektive Buy-and-Build-Strategie an. Was für eine neue Produktdaten-Gruppe im DACH-Raum spricht, was dagegen und was Kunden jetzt tun sollten.

Perfion gehört zu Boyum IT: Was der Eigentümerwechsel für PIM-Kunden bedeutet
Perfion gehört seit 2023 zu Boyum IT Solutions, Boyum mehrheitlich dem Finanzinvestor Volpi Capital. Wir ordnen ein, wer hinter Perfion steht, wie es mit dem PIM weitergeht und welche Fragen Kunden jetzt stellen sollten.

Akeneo Community Edition 2026: Nicht eingestellt, aber anders
Wurde die Akeneo Community Edition eingestellt? Nein. Am 30. September 2026 endete der Support für Akeneo 7 On-Premise und PaaS. Was wirklich gilt und welche fünf Wege Enterprise-Kunden jetzt haben.

apollon im Gartner® Magic Quadrant™ für PIM 2026: Einordnung und was OMN 7 bringt
Gartner hat apollon im Magic Quadrant für PIM 2026 als Niche Player positioniert. Was OMN heute kann, was mit OMN 7 kommt und für wen apollon aus unserer Sicht passt.
