- Allgemein
PIM in der Schweiz: Beratung, Partner und Besonderheiten 2026
Für Schweizer Hersteller und Händler gelten bei der PIM-Auswahl dieselben Grundregeln wie in Deutschland oder Österreich. Einige Punkte wiegen in der Schweiz aber schwerer: Produktdaten in mehreren Landessprachen, Schweizer Marktplätze wie Galaxus, Schweizer ERP-Systeme und eigene Vorschriften. Dieser Beitrag fasst zusammen, worauf Sie achten sollten, welche Systeme Schweizer Partner betreuen und was eine Einführung kostet.
Kurz zusammengefasst
- Wer landesweit verkauft, pflegt Produkttexte mindestens auf Deutsch und Französisch, oft auch auf Italienisch. Das PIM muss Sprachen, Übersetzungsstand und Übersetzungsabläufe sauber abbilden.
- Für Galaxus sind unter anderem Marke, GTIN, Gewicht, ein Hauptbild auf weissem Hintergrund und ein deutscher Produkttitel Pflicht. Texte auf Französisch, Italienisch und Englisch sind möglich.
- Das revidierte Datenschutzgesetz gilt seit dem 1. September 2023. Für Medizinprodukte gilt seit dem 1. Juli 2026 die Registrierungspflicht in swissdamed.
- Laut PIM-Consultants-Verzeichnis gibt es 23 PIM-Integratoren in der Schweiz (Stand November 2026). Am häufigsten betreuen sie Akeneo, Pimcore und Viamedici. Die Zahl der Partner sagt nichts über die Eignung eines Systems für Ihr Unternehmen aus.
- PIM-Consultants berät herstellerneutral aus Pfäffikon SZ: von der Anforderungsanalyse bis zur Vertragsverhandlung.
Was in der Schweiz anders ist
Mehrsprachige Produktdaten
Die Schweiz hat vier Landessprachen. Wer in allen Landesteilen verkauft, braucht Produkttexte, Merkmale, Dokumente und Sicherheitshinweise in mehreren Sprachen. Ein PIM sollte deshalb:
- sprachabhängige und sprachunabhängige Felder trennen (eine Masseinheit wird nicht übersetzt, ein Verkaufstext schon),
- den Übersetzungsstand je Artikel und Sprache anzeigen und unvollständige Sprachen vor der Ausgabe sperren,
- Übersetzungen an Agenturen, an interne Teams oder an KI-Übersetzung übergeben und wieder einlesen,
- je Kanal festlegen, welche Sprachen ausgegeben werden.
Mehrsprachigkeit erzeugt dauerhaften Aufwand, nicht nur bei der Einführung. Planen Sie Übersetzungskosten und Freigaben von Anfang an ein.
Marktplätze: Galaxus und andere
Viele Händler und Marken verkaufen über das Händlerprogramm von Digitec Galaxus. Galaxus betreibt seinen Marktplatz inzwischen auch in Deutschland. Laut der Anleitung des Konnektor-Anbieters ChannelEngine verlangt Galaxus für jedes Produkt mindestens:
- Markenname (bis 100 Zeichen),
- GTIN, zum Beispiel EAN,
- Gewicht in Gramm,
- ein Hauptbild: Frontalansicht auf weissem Hintergrund, längste Seite mindestens 600 Pixel, ohne Logos oder Wasserzeichen,
- einen Produkttitel auf Deutsch (bis 100 Zeichen, ohne Marke, Kategorie oder Werbetext).
Titel und Beschreibungen auf Französisch, Italienisch und Englisch sind möglich, Beschreibungen bis 4.000 Zeichen ohne HTML. Laut ChannelEngine werden die Produktdaten per (S)FTP übertragen; zusätzlich braucht jedes Angebot Preis, Mehrwertsteuersatz und Bestand. Ein PIM erleichtert das, wenn es diese Pflichtfelder prüft, Bilder in der verlangten Form bereitstellt und die Daten direkt oder über ein Feed-Werkzeug ausgibt.
ERP-Anbindung
Neben SAP und Microsoft Dynamics gibt es in der Schweiz eigene ERP-Systeme wie Abacus, Proffix oder bexio. Fragen Sie früh, ob für Ihr ERP ein fertiger Konnektor zum PIM existiert oder ob die Anbindung über Middleware oder als Projektarbeit läuft. Legen Sie ausserdem fest, welches System für welches Feld führend ist: Preise und Bestände bleiben meist im ERP, Texte, Merkmale und Bilder liegen im PIM.
Datenschutz und Hosting
Das totalrevidierte Datenschutzgesetz (DSG) gilt seit dem 1. September 2023. Ein PIM enthält vor allem Produktdaten. Personendaten fallen dort an, wo Benutzer, Lieferanten oder Kunden Zugänge haben, etwa in Lieferantenportalen oder Freigabe-Workflows. Klären Sie bei SaaS-Angeboten, wo die Daten liegen, welche Unterauftragnehmer beteiligt sind und wie der Anbieter die Bekanntgabe ins Ausland regelt.
Branchenregeln
- Medizinprodukte: Seit dem 1. Juli 2026 müssen Hersteller und ihre Bevollmächtigten Produkte im swissdamed-Modul UDI Devices registrieren, bevor sie erstmals in der Schweiz in Verkehr gebracht werden. Für bestehende Produkte gilt grundsätzlich eine Übergangsfrist bis 31. Dezember 2026. Swissmedic erhebt ab Januar 2027 Gebühren: CHF 200 für die erste UDI-DI und CHF 20 für jede weitere, höchstens CHF 10.000 pro Jahr. Mehr dazu in unserem Vergleich für Medizintechnik und Pharma.
- Konsumgüter und Handel: GS1 Switzerland hat 2022 Bayard mit der Plattform Byrd als Partner für einen neuen Product Content Hub gewählt, der die bisherige Lösung Trustbox ablösen soll. Wer Stammdaten an Schweizer Händler liefert, sollte prüfen, welche Datenpool-Anbindung das PIM unterstützt.
- Export in die EU: Wer aus der Schweiz in die EU verkauft, muss dort die EU-Regeln erfüllen, etwa die Produktsicherheitsverordnung (GPSR) mit Pflichtangaben im Onlinehandel. Was das für Produktdaten bedeutet, zeigt unser Beitrag GPSR: Welche Produktdaten die Verordnung verlangt.
Welche PIM-Systeme Schweizer Partner betreuen
Die folgende Übersicht zeigt, für welche Systeme die in unserem Verzeichnis für die Schweiz geführten Integratoren Erfahrung angeben. Sie ist keine Rangfolge und keine Empfehlung. Alle Partner finden Sie im Integratoren-Verzeichnis, gefiltert auf die Schweiz.
| System | Partner für die Schweiz (laut Verzeichnis) |
|---|---|
| Akeneo | Arcmedia, brix Solutions, Jakala, Numendo, Unic |
| Pimcore | bbv Software Services, CODATA, DACHCOM, PIT Solutions |
| Viamedici | Advellence, foryouandyourcustomers, proaxia |
| Stibo Systems | arhis, foryouandyourcustomers |
| ATAMYA | aclevion, Media Motion |
| Centric PXM | aclevion, Numendo |
| SAP Commerce Cloud | PIT Solutions, Unic |
| SCAYLE | Jung von Matt TECH, nexum |
| Weitere PIM-Systeme (je ein Partner) | 4ALLPORTAL (click it), censhare (aclevion), Crystallize (S’NCE Group), novomind iPIM (brix Solutions), OpenDXP (DACHCOM), pirobase und Syndigo (Advellence), Quable (Numendo) |
| MDM-Systeme | Ataccama ONE (arhis, synvert), Profisee (Advellence, pmOne), CluedIn (PwC Schweiz) |
Stand: November 2026, Angaben laut Partnerseiten der Hersteller und der Integratoren.
Was eine PIM-Einführung kostet
Die Grössenordnungen aus unserer Seite PIM-Implementierung und Kosten gelten auch für Schweizer Projekte: Für den grösseren Mittelstand liegt PIM-Software je nach Klasse bei rund 100.000 bis 250.000 Euro, Enterprise-Systeme bei etwa 500.000 Euro. Für die Einführung kommen typischerweise 150.000 bis 250.000 Euro hinzu, bis zum ersten produktiven Kanal vergehen meist sechs bis zwölf Monate. Für kleinere Sortimente gibt es SaaS-Systeme mit Preisen unter 500 Euro im Monat.
Zusätzlich zu den üblichen Posten sollten Sie für Schweizer Projekte einplanen: Übersetzungen je Sprache, Anbindungen an Marktplätze wie Galaxus, an Schweizer ERP-Systeme und gegebenenfalls an Datenpools.
PIM-Auswahl mit PIM-Consultants in der Schweiz
PIM-Consultants ist ein Service der Digitize! GmbH mit Sitz in Pfäffikon SZ. Wir begleiten Schweizer Unternehmen herstellerneutral bei der Auswahl, Einführung und im Betrieb von PIM-Systemen. Die PIM-Auswahl läuft in sechs Schritten: Prioritäten, Anforderungsanalyse, Marktübersicht, Softwarebewertung, Angebotsvergleich und Verhandlung. Sie dauert in der Regel zwei bis drei Monate.
- Für einen ersten Überblick: der PIM-Finder mit allen Profilen.
- Für die eigene Vorauswahl: die kostenlose Kriterienliste für KMU mit 46 Prüffragen in 14 Gruppen.
- Für Ihr Projekt: ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch über unsere Kontaktseite.
Häufige Fragen
Welches PIM-System eignet sich für Schweizer KMU?
Das hängt von Sortiment, Sprachen, Kanälen und ERP ab, nicht vom Herkunftsland des Systems. Für kleinere Sortimente kommen schlanke SaaS-Systeme in Frage, für variantenreiche oder technische Produkte eher flexiblere Plattformen. Prüfen Sie vor allem Mehrsprachigkeit, die Anbindung an Ihr ERP und an Marktplätze wie Galaxus sowie, ob es einen Implementierungspartner in Ihrer Nähe gibt.
Was kostet ein PIM-System in der Schweiz?
Für den grösseren Mittelstand liegen Software und Einführung zusammen meist im mittleren sechsstelligen Bereich (in Euro gerechnet), für kleine Sortimente gibt es SaaS-Angebote unter 500 Euro im Monat. Schweizer Projekte haben zusätzliche Posten für Übersetzungen und Schweizer Schnittstellen.
Wie bildet ein PIM Deutsch, Französisch und Italienisch ab?
Über sprachabhängige Felder: Jeder Text existiert je Sprache, Merkmale wie Masse oder Materialien werden einmal gepflegt und übersetzt angezeigt. Ein gutes PIM zeigt den Übersetzungsstand, sperrt unvollständige Sprachen für die Ausgabe und übergibt Texte an Übersetzungsdienste oder KI-Übersetzung.
Brauche ich für Galaxus ein PIM?
Nicht zwingend. Ab mehreren Hundert Artikeln oder mehreren Kanälen hilft ein PIM aber, die Pflichtfelder von Galaxus (unter anderem Marke, GTIN, Gewicht, Hauptbild, deutscher Titel) vollständig und einheitlich zu liefern, statt sie je Kanal von Hand zu pflegen.
Gibt es unabhängige PIM-Berater in der Schweiz?
Ja. PIM-Consultants berät aus Pfäffikon SZ herstellerneutral bei Auswahl, Einführung und Betrieb. Implementierungspartner für einzelne Systeme finden Sie im Integratoren-Verzeichnis.
Quellen
- KMU-Portal des Bundes: Neues Datenschutzgesetz (revDSG)
- Swissmedic: swissdamed, Registrierungspflicht ab 1. Juli 2026
- ChannelEngine: Digitec Galaxus marketplace guide
- Horizont: Galaxus startet Marktplatz in Deutschland
- Retail Optimiser: GS1 Switzerland wählt Bayard (Byrd)
Stand: November 2026
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