Was ist ISCM?

ISCM: Information Supply Chain Management

Kurz gesagt: ISCM steht für Information Supply Chain Management. Produktinformationen werden dabei wie Waren behandelt: Sie werden beschafft, aufbereitet und an Kunden und Kanäle verteilt. Ziel ist, dass jede Information einmal erfasst wird und überall korrekt ankommt.
3 EbenenDatenbeschaffung, Datenaufbereitung, Datendistribution
12 Bausteinevier je Ebene, als Landkarte für Prozesse und Systeme
4 KanalartenPrint, statisch digital, Commerce und Echtzeit
1 Zieljede Information einmal erfassen, überall korrekt ausspielen

Stand: Oktober 2026 · von Matthias Kant, PIM-Consultants

ISCM und PIM

Im klassischen Supply Chain Management geht es um den Fluss von Waren vom Lieferanten bis zum Kunden. Information Supply Chain Management überträgt diesen Gedanken auf Produktdaten. Bevor ein Produkt verkauft werden kann, brauchen Shop, Katalog und Händler Texte, Merkmale, Bilder und Dokumente. Diese Informationen entstehen an vielen Stellen im Unternehmen und bei Lieferanten. Ein PIM-System ist der zentrale Knoten dieser Informationslieferkette, ergänzt um ERP, PLM und DAM.

Die digitale Lieferkette umfasst alles, was mit der Beschaffung, Aufbereitung und Weitergabe von Daten und Informationen zu tun hat. Ziel des ISCM ist, diese Informationslieferketten innerhalb eines Unternehmens und über Unternehmensgrenzen hinweg optimal zu gestalten, also auch mit Lieferanten, Händlern und Dienstleistern.

Klassische Supply ChainInformation Supply ChainWas dort passiert
BeschaffungDatenbeschaffungRohdaten aus ERP, PLM, von Lieferanten und aus der Medienproduktion zusammenführen
ProduktionDatenaufbereitungaus Rohdaten verkaufsfähige Informationen machen: bereinigen, klassifizieren, texten, übersetzen
DistributionDatendistributiondie Informationen im passenden Format an Print, Website, Shop, Händler und Echtzeit-Kanäle liefern

Der wichtigste Unterschied zur Warenlogistik: Digitale Güter lassen sich jederzeit verändern. Die Aufbereitung ist deshalb nie abgeschlossen, sondern zyklisch, volatil und mehrschichtig.

Die drei Ebenen des ISCM

1

Datenbeschaffung

Hier kommen die Rohdaten zusammen: Stammdaten aus dem ERP, technische Daten aus dem PLM, Lieferantendaten, Texte aus dem Marketing und Bilder aus der Fotoproduktion. Strukturierte Daten wie Merkmale stehen neben unstrukturierten wie Datenblättern. Im PIM-Wiki heißt dieser Schritt Collection. Wie sich Lieferanten direkt einbinden lassen, zeigt der Beitrag Lieferanten-Onboarding.

2

Datenaufbereitung

Aus Rohdaten werden verkaufsfähige Informationen. Dubletten werden zusammengeführt (Consolidation), Produkte klassifiziert, Texte geschrieben und übersetzt, Medien verknüpft (Enrichment). Anders als Waren ändern sich Informationen ständig. Die Aufbereitung ist deshalb ein laufender Prozess mit klaren Zuständigkeiten und Workflows.

3

Datendistribution

Die aufbereiteten Informationen gehen an die Kanäle. Wir unterscheiden vier Arten: statische, nicht-digitale Kanäle wie den gedruckten Katalog, statische digitale Kanäle wie PDF-Datenblätter, Commerce-Kanäle wie Onlineshop und Marktplätze sowie Echtzeitkanäle wie Apps, Kassen und KI-Assistenten. Mehr dazu unter Distribution von Produktdaten.

Grafik: Das ISCM-Modell mit drei Ebenen und zwölf Bausteinen. Datenbeschaffung: unstrukturierte Daten, strukturierte Daten, Informationsorchestrierung, Wissensnetze. Datenaufbereitung: Globalisierung von Informationen, Kommunikationsgestaltung, Planung von Kommunikation, Kollaboration und Steuerung. Datendistribution: statische nicht-digitale Kanäle, statische digitale Kanäle, Commerce-Kanäle, Echtzeit-Kanäle
Das ISCM-Modell: drei Ebenen mit je vier Bausteinen

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Die zwölf Bausteine im Detail

Jede Ebene besteht aus vier Bausteinen. Zusammen ergeben sie eine Landkarte, auf der sich die vielen Lösungen am Markt einordnen lassen, von PIM und DAM über CMS und Shop bis zu Marketing Resource Management.

1. Datenbeschaffung: der Maschinenraum

Unstrukturierte Daten

Beschaffen, Verwalten und Umwandeln von Assets aller Art, vor allem Bilder, Videos und Texte. Hier liegt oft der größte Schmerz, und deshalb ist es häufig der erste Schritt am Beginn der Digitalisierung.

Typische Systeme: DAM, MAM, Video Asset Management

Strukturierte Daten

Organisation und Verwaltung bereits strukturierter Daten wie Produkt- oder Kundendaten.

Typische Systeme: ERP, MDM, PIM, CRM, PLM

Informationsorchestrierung

Unstrukturierte und strukturierte Daten müssen zusammenspielen, um nutzbar zu sein. Dazu gehören Integration, Prozessmanagement, Geschäftsregeln und Datenqualität.

Typische Themen: Schnittstellen, Business Rules, Datenqualität

Wissensnetze

Die Königsdisziplin der Beschaffung: aus dem vorhandenen Datenbestand neues Wissen gewinnen.

Typische Themen: Echtzeit-Technologien, Reporting, Analytics, Big Data, Business Intelligence

2. Datenaufbereitung: aus Daten werden Informationen

Globalisierung von Informationen

Anreicherung und Anpassung von Informationen für den internationalen Einsatz, einschließlich semantischer und kultureller Anpassungen.

Typische Themen: Mehrsprachigkeit, Terminologie, Semantik

Kommunikationsgestaltung

Erstellung und Bereitstellung von Vorlagen für die Ausgabekanäle.

Typische Themen: Print, Online und Mobile Publishing

Planung von Kommunikation

Lösungen, mit denen Marketing und Vertrieb ihre Kommunikation planen und steuern.

Typische Themen: Marketing Resource Management, Whiteboarding, Marketing Automation, KI

Kollaboration und Steuerung

Damit die Aufbereitung effizient und zielgerichtet läuft, braucht es klare Abläufe und Zuständigkeiten.

Typische Themen: Workflow-Management, Rollen, Freigaben, Zusammenarbeit

3. Datendistribution: Informationen in die Kanäle

Statische, nicht-digitale Kanäle

Vor allem die Printproduktion, weiterhin eine wichtige Form der Content-Produktion. Der Inhalt hat bei der Veröffentlichung eine feste Form.

Typische Themen: Kataloge, Preislisten, Farbmanagement, Softproofing

Statische digitale Kanäle

Auch digital wird oft Content veröffentlicht, der danach nicht mehr verändert wird, obwohl eine Dynamisierung möglich wäre.

Typische Systeme: CMS, Webseiten, PDF-Datenblätter, mobile Ansichten

Commerce-Kanäle

Hier müssen alle Voraussetzungen für den Verkauf zusammenkommen: Ist das Produkt lieferbar, welcher Preis gilt gerade, was gilt bei mehreren Artikeln, wie laufen Logistik, Bezahlung und Rechtliches?

Typische Systeme: Onlineshop, B2B-Portal, Marktplätze, Händleranbindung

Echtzeit-Kommunikationskanäle

Die Königsdisziplin der Distribution: Genau im Moment des Kundenerlebnisses entsteht der Inhalt in Echtzeit aus granularen Daten und wird an die passende Oberfläche ausgeliefert.

Typische Kanäle: Apps, Chatbots, NFC, KI-Assistenten und Agenten

ISCM als Landkarte für Ihre Systemlandschaft

Mit dem ISCM-Modell lässt sich jedes System einordnen. So sehen Sie, welche Bausteine abgedeckt sind, wo sich Systeme überschneiden und wo Lücken bleiben.

SystemEbeneBaustein
PIMBeschaffung und Aufbereitungstrukturierte Daten, Orchestrierung, Globalisierung, Steuerung
ERP, PLM, CRMBeschaffungstrukturierte Daten
MDMBeschaffungstrukturierte Daten, Datenqualität
DAM / MAMBeschaffungunstrukturierte Daten
ÜbersetzungsmanagementAufbereitungGlobalisierung von Informationen
Database PublishingAufbereitung und DistributionKommunikationsgestaltung, Print
Marketing Resource ManagementAufbereitungPlanung von Kommunikation
CMSDistributionstatische digitale Kanäle
Onlineshop, MarktplätzeDistributionCommerce-Kanäle
Chatbots, KI-AssistentenDistributionEchtzeit-Kanäle
BI und AnalyticsBeschaffungWissensnetze

Wie gut funktioniert Ihre Informationslieferkette?

Der Omnichannel Health Check zeigt entlang Ihrer Quellen, Prozesse und Kanäle, wo Daten hängen bleiben und wo sich ein PIM am meisten lohnt.

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ISCM in der Praxis: so gehen Sie vor

Das Modell ist kein Selbstzweck. Es hilft, die eigene Informationslieferkette Schritt für Schritt sichtbar zu machen und zu verbessern.

1

Quellen erfassen

Wo entstehen Produktinformationen heute: im ERP, im PLM, bei Lieferanten, in Excel oder in den Köpfen einzelner Mitarbeiter?

Ergebnis: Übersicht aller Datenquellen
2

Zuständigkeiten klären

Wer pflegt welche Information, wer gibt frei, und wo gibt es Doppelarbeit oder Lücken?

Ergebnis: Rollen und Verantwortungen je Informationsklasse
3

Bausteine bewerten

Wie gut ist jeder der zwölf Bausteine heute abgedeckt, und welche Kanäle sollen künftig bedient werden?

Ergebnis: Reifegrad je Baustein und Zielbild
4

Systeme zuordnen

Welche Systeme decken welche Bausteine ab, wo braucht es ein PIM, ein DAM oder eine bessere Integration?

Ergebnis: Roadmap und Grundlage für die PIM-Auswahl

Wie Sie die Umsetzung planen, beschreibt die Seite PIM-Einführung.

Warum ISCM für Unternehmen wichtig ist

Wer seine Informationslieferkette nicht steuert, pflegt dieselben Daten mehrfach, liefert widersprüchliche Angaben an Händler und braucht zu lange, bis neue Produkte verkaufsfähig sind. Mit ISCM wird sichtbar, wo Daten entstehen, wer sie verantwortet und wo sie hängen bleiben. Das ist auch die Grundlage für KI: Agenten und Assistenten können nur mit Daten arbeiten, die vollständig und strukturiert vorliegen.

Wie Sie eine PIM-Einführung entlang dieser drei Ebenen planen, beschreibt die Seite PIM-Einführung. Welchen Nutzen das bringt, zeigt PIM-Nutzen.

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Wir ordnen Ihre Systemlandschaft herstellerunabhängig ein und zeigen, welche Bausteine Sie zuerst angehen sollten.

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Häufige Fragen zu ISCM

Was bedeutet ISCM?

ISCM steht für Information Supply Chain Management. Gemeint ist die Steuerung des gesamten Wegs, den Produktinformationen von ihrer Entstehung bis zum Kunden nehmen.

Was ist der Unterschied zwischen ISCM und PIM?

ISCM ist der Denkansatz für die gesamte Informationslieferkette. PIM ist das zentrale System darin, in dem Produktinformationen gesammelt, angereichert und verteilt werden.

Welche Systeme gehören zur Information Supply Chain?

Typisch sind ERP und PLM als Quellen, Lieferantenportale, PIM und DAM in der Mitte sowie Onlineshop, Marktplätze, Print und Datenpools als Ausgabekanäle.

Was sind die drei Ebenen des ISCM?

Datenbeschaffung, Datenaufbereitung und Datendistribution. In der Beschaffung werden Rohdaten zusammengeführt, in der Aufbereitung entstehen daraus verkaufsfähige Informationen, und in der Distribution gehen sie an Print, Website, Shop, Händler und Echtzeit-Kanäle.

Was sind Echtzeit-Kommunikationskanäle?

Kanäle, in denen der Inhalt genau im Moment des Kundenkontakts aus granularen Daten erzeugt wird, etwa in Apps, Chatbots oder KI-Assistenten. Das setzt vollständig strukturierte Produktdaten voraus.

Welche Rolle spielt KI im ISCM?

KI kommt auf allen Ebenen vor: beim Auswerten und Klassifizieren von Rohdaten, beim Schreiben und Übersetzen von Texten und als Echtzeit-Kanal in Form von Assistenten und Agenten. Sie funktioniert aber nur so gut wie die Daten, auf die sie zugreift.

Wie starte ich mit ISCM im Unternehmen?

Mit einer Bestandsaufnahme: Welche Datenquellen gibt es, wer ist zuständig, und welche Kanäle sollen bedient werden? Daraus ergibt sich, welche Bausteine zuerst verbessert werden sollten. Eine gute Grundlage ist der kostenlose Omnichannel Health Check.

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